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Tests für Daunen
Wenn die Daunen nach Reinigung und Sortieren zum Kleidungshersteller
geliefert werden, haben sie nicht mehr viel Ähnlichkeit mit
der dreckigen Substanz, die nach dem Rupfen gesammelt wurde.
Das Testen des Endprodukts findet entweder bei den Lieferanten,
beim Fabrikanten oder bei beiden statt. Lieferanten führen
mehrere Tests durch, von denen zwei für Kunden, die im Outdoor-Gewerbe
tätig sind, relevant sind. Bessere Fabrikanten werden dann
die Qualität der Lieferung überprüfen, indem Sie
den ersten Test (Fillpower) selbst wiederholen.
Fillpower
Dieser Test wird am häufigsten zitiert, und liefert die bei
weitem nützlichsten der im Labor festgestellten Zahlen. Einen
einzigen "Welt-Standard-Fillpower-Test" gibt es allerdings
nicht: ob Großbritannien, die USA, Japan, Schweden oder Deutschland
- jedes Land benutzt sein eigenes System. Die grundlegenden Elemente
sind aber bei allen Tests gleich.
Die Daune wird von einem Luftgebläse aufgeplustert, und dann
mindestens drei bis fünf Tage unter kontrollierter Temperatur
und relativ hoher Luftfeuchtigkeit aufbewahrt. Dann wird eine Daunenprobe
entnommen (je nach Test 20 Gramm, 30 Gramm oder eine Unze, also
ca 28 Gramm), und wieder im Testzylinder aufgeplustert. Danach wird
eine Scheibe mit einem festgelegten Gewicht in den Zylinder gesenkt,
um die oberste Füllkante anzugleichen, und die Höhe der
Daunen wird gemessen.
Dies legt das Volumen fest, das eine bestimmte Menge Daunen (gemessen
nach Gewicht) füllen kann: Die Fillpower
oder Bauschkraft. Fillpower wird in Kubikzoll pro Unze oder
Kubikzentimetern pro Gramm gemessen. Kubikzoll (oder Kubik-inch,
inch³) pro Unze (oz) ist die am häufigsten verwendete Maßeinheit
- der amerikanische Einfluß dominiert sogar in Ländern,
die das metrische System verwenden. Auch die im Deutschen gebräuchliche
Bauschkraft-Maßeinheit "cuin"
steht für "cubic inches".Wenn Leute also über
550, 600, 700er Füllung reden, meinen sie 550 cu in per oz
etc.
Bei PHD benutzen wir eine Lorch-Maschine
(-Made in Germany-), um Bauschkraft zu testen - ein System, das
so nahe wie möglich am Ideal eines akzeptierten Welt-Standards
liegt, und vom "International Down & Feather Bureau"
gutgeheißen wird. Beim Standard-Lorch-Test werden 30 Gramm
Daune verwendet. Eine Unze hat 28,34 Gramm. Wenn das Ergebnis also
unverändert als cuin angegeben wird, wird die Bauschkraft offensichtlich
um fast sechs Prozent übertrieben. Allerdings wird beim Bundestest
(FCT) in den USA ein engerer Zylinder und eine viel leichtere Deckscheibe
verwendet. Dies führt dazu, daß eine Unze der selben
Daune, die mit der US Bundesmethode getestet wird, wahrscheinlich
eine um etwa vier Prozent höhere Fillpower-Einstufung erhält
als 30 Gramm Daune im Lorch-Test. Deshalb korrigieren wir die Ergebnisse
unseres Lorch-Tests weder nach oben noch nach unten, und sind trotzdem
um etwa vier Prozent konservativer als die US Bundestests.
Eine Einführung in die Bedeutung von Fillpower-Zahlen
- 400 ist eine normale Daune für
Betten oder das untere Ende des Schlafsack-Marktes. Diese Daune
hat oft einen Federn-Anteil von mehr als 15%.
- 500 ist schon eine recht vernünftige
Daune - die Mittel- bis Topwahl für Hersteller von billigeren
Schlafsäcken.
- 600: Eine sehr gute Daune - jeder
Lieferant muß sich anstrengen, dieses Qualitätsniveau
zu erreichen und zu halten.
- 700: Ein seltenes und teures Produkt.
Sehr wenige Gänsedaunen erreichen höhere Fillpower,
und für Entendaunen ist dies die absolute Obergrenze.
- 800: Wird unseres Wissens nach
von nur einer Daunensorte erreicht (die wir bei PHD auch verwenden).
Sicher gibt es andere Daunensorten dieser Qualität - die
Welt ist schließlich groß - aber mir sind sie noch
nicht begegnet.
Daunen/Federanteil
Der Anteil von Daunen und Federn wird von Hand gemessen: jede
einzelne Flocke einer sehr kleinen Daunenprobe wird in Kategorien
wie Daune, Daunenfaser, daunenartige Federn, Federn etc. eingeordnet.
Jede Kategorie wird dann auf Genauste gewogen - ich arbeite mit
Waagen, die auf ein Tausendstel Gramm geeicht sind. Der Daunengehalt
wird dann als Prozentsatz angegeben: 90/10, 80/20 etc. Da eine höhere
erste Zahl einen höheren Daunenanteil bedeutet, wird dieser
Test oft als Werbestatement für Daunenqualität angeführt
- es wurden schon Daunenanteile von 100% behauptet. Leider sind
solche Werbeaussagen oft der Hauptzweck des Tests - es gibt nämlich
keinen einzelnen international gütigen Standard, nach dem diese
Zahlen produziert werden, und das Ausmaß an möglichen
Schwankungen macht solche Angaben nahezu bedeutungslos.
Ein Beispiel: Wenn Sie glauben, daß eine "90/10"-Daune
immer 90% Daune enthält, liegen Sie falsch. Zuerst mal muß
einkalkuliert werden, wie das Wort "Daune" definiert ist
- wieviel aus den Mittelkategorien zwischen reiner Daune und reinen
Federn wird als Daune gezählt? Es gibt Richtlinien, aber keinen
weltweit akzeptierten Standard, und Unterschiede in der Einstufung
existieren. Zweitens -und das ist noch deutlich verwirrender- muß
nach dem US-Bundesstandard der tatsächliche Daunenanteil nur
72% zu betragen, um die 90/10-Klassifikation zu erhalten. Das bedeutet
nicht, daß der US-Standard niedriger oder ungenauer ist -
es ist nur die Verwendung von Worten, die einen verwirrt. Einige
andere nationale Standards (inklusive der deutsche und britische)
stimmt mehr mit dem überein, was man erwarten würde. US-Zahlen
werden aber oft von Lieferanten aus dem Fernen Osten verwendet,
die ihre Daunen weltweit vertreiben. Drittens ist das Messen von
Daunenanteil ein langer und mühsamer Prozeß, der nur
auf einen winzigen Bruchteil der tatsächlich verarbeiteten
Daunen angewendet wird. Er gibt nur einen rohen Richtwert, und es
ist unwahrscheinlich, daß die Zahlen je nachgeprüft werden.
Letztlich gibt es für einen Hersteller, der Daunen verarbeitet,
nur eine Möglichkeit, Klarheit über seine eigenen Angaben
zu bekommen: er muß den Einordnungstest selbst durchführen.
Und selbst dann wird er wahrscheinlich sehr viel Zeit dafür
aufwenden, 0,01% (also ein Hunderttausendstel) der Menge, die er
benutzt, zu testen.
Im Allgemeinen ist es besser, Angaben zum
Daunen-Federn-Verhältnis als vergleichsweise unerheblich zu
betrachten. Ein erfahrener Hersteller kann sofort sehen,
ob sich der Federn-Anteil einer bestimmten Daunensorte erhöht
hat. Auch im Fillpower-Test würde das negativ auffallen. Denn
wer würde sich schließlich Gedanken über die Klassifikation
des Materials machen, wenn sich durch einen höheren Federanteil
die Fillpower erhöhen ließe?
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