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Temperatur-Einstufungen
Theoretisch ist es möglich, einzuschätzen, wieviel Isolierung
bei verschiedenen Temperaturen gebraucht wird. Bei 0 Grad braucht
man vielleicht eine 5 cm dicke Isolationsschicht, bei -20 Grad 7
cm, und so weiter. Solche Zahlen können auch in Maßeinheiten
für das Wärmerückhaltevermögen genannt werden
- man braucht ungefähr 10 Togs (6.5 Clos) für Null Grad.
Einfach so in den Raum gestellt, haben diese Zahlen aber keinerlei
Bedeutung. Zuerst einmal müssen sie sich darauf beziehen, was
Sie tun - auf Ihren Aktivitätslevel- , und selbst dann sind
sie für dermaßen idealisierte Bedingungen geschaffen,
daß sie wenig mit der Realität zu haben: solche Zahlen
ignorieren Wind, Feuchtigkeit, individuelle Physiologie und viele
andere wichtige Faktoren.
Mit jedem bißchen Realität, das in die Gleichung einbezogen
wird, wird die Antwort um ein Vielfaches komplexer - bis offensichtlich
wird, daß solche Temperatur-Einstufungen bestenfalls
sehr angenährte Richtlinien sind.
Wie viele Hersteller von isolierter Ausrüstung würden
wir lieber keine pauschalen Temperatureinstufungen für unsere
Produkte geben. Es wäre viel akkurater, wenn wir mit jedem
Kunden über seine persönlichen Bedürfnisse reden
könnten. Das ist allerdings selbst für eine kleine Firma
wie PHD nicht machbar - also haben wir keine andere Wahl, als uns
der generellen Vorgehensweise anzupassen und Temperatur-Ratings
anzugeben. In Folgenden erklären wir Ihnen kurz, wie wir dabei
vorgehen, und wie ernst Sie die Ergebnisse nehmen können.
Schlafsäcke
Bei Schlafsäcken ist es am einfachsten. Selbst hier sind Einstufungen
zwar oft durch jede Menge Voraussetzungen (-die oft nicht genannt
werden-) eingeengt, aber sie sind nicht kompletter Unsinn.
Im Schlafsack haben Sie eine festgelegte Aktivität (-hoffentlich
schlafen Sie-), und vermutlich auch eine Art von Schutz, selbst,
wenn es nur ein Biwaksack ist. Dies schließt zwei der Hauptfaktoren,
die Ratings durcheinanderbringen, aus: Aktivitätslevel und
den Wind. Trotzdem bleibt eine lange Liste
von Einflußfaktoren übrig - angefangen mit Ihrem
persönlichen Stoffwechsel, über Nahrungsaufnahme, Kleidung,
Bodenisolierung, Feuchtigkeit, Höhe, Fitness und so weiter.
Die Kombination aus einigen dieser Faktoren kann alle angegebenen
Zahlen ersthaft durcheinanderbringen.
Um die Verwirrung noch zu steigern, kommen oft psychologische
Faktoren ins Spiel. Person A empfindet Kälte, physikalisch
gesehen, aufs Grad genauso wie Person B. A sieht sich selbst aber
als abgehärteten Typ an, und nimmt es gerne mit einer Hauttemperatur
auf, die für B nicht akzeptabel ist. Ähnliche Situationen
können auch durch Erfahrung bedingt sein - beispielsweise wenn
A viel Erfahrung im Outdoor-Bereich hat, und vom vertrauten Kältegefühl
nicht eingeschüchtert wird, während Newcomer B es unangenehm
und ein bißchen furchterregend findet.
Was soll man also tun? Wie läßt sich ein Weg finden,
aussagekräftige Temperaturangaben zu machen? Manche Leute versuchen,
das Problem durch mehr Präzision
zu lösen, und nennen zwei (oder mehr) Zahlen für die empfohlenen
Temperaturen - "Komforttemperatur", "Extrembereich"
etc. Andere ziehen sich auf vagere Aussagen
zurück, und stufen ihre Schlafsäcke nach Jahreszeiten
ein. Aber egal ob präzise oder vage - kein System kann alle
oben genannten Einflußfaktoren abdecken.
Bei PHD haben wir daher, weil wir wissen, daß wir solche
Unsicherheiten nicht abschaffen können, versucht, es einfach
zu halten. Was wir für jeden unserer Schlafsäcke angeben,
ist eine einzelne Minimaltemperatur, bei
der Sie unter normalen Umständen schlafen können sollten.
Mit "normal" meinen wir:
- Sie haben Schutz.
- Sie haben normal gegessen.
- Sie haben ausreichende Bodenisolation.
- Ihr Schlafsack ist trocken.
- Sie sind kein "Kälteschläfer".
- Sie tragen Kleidung, die für die Umstände geeignet
ist - bei Temperaturen unter Null würden wir von jedem erwarten,
daß er zumindest dünne Thermo-Unterwäsche trägt;
unter -25° sollte es zumindest dicke Thermowäsche sein.
Wenn wir hier beschreiben, was normal ist, sollten wir vielleicht
hinzufügen, daß Sie, wenn Sie ein erfahrener, abgehärteter
Typ sind, unsere Schlafsäcke wahrscheinlich auch bei etwa fünf
Grad unter den genannten Temperaturen verwenden können.
Es scheint, als hätten wir viele Worte dafür verwendet,
eine relativ zweifelhafte Statistik fertigzumachen. Bitte sehen
Sie es als das an, was es ist: ein Ausgangspunkt,
der viel bedeutsamer wird, wenn er mit Ihrer eigenen Erfahrung oder
Rat von Experten untermauert wird. Wenn Sie noch Zweifel haben,
ob Sie die richtige Wahl getroffen haben, kontaktieren Sie uns bitte,
und wir werden versuchen, zu helfen.
Kleidung
Für Kleidung ist es noch viel schwieriger, sinnvolle Temperatur-Ratings
anzugeben, als für Schlafsäcke. Es ist so schwer, daß
die meisten Hersteller es vernünftigerweise gar nicht erst
versuchen.
Warum nennen wir also Temperaturen in unserer Vergleichstabelle
für Kleidung? Wäre es nicht weniger irreführend,
sie völlig wegzulassen?
Wir glauben, daß, solange wir klar machen, welche Art von
Indikator Sie vor sich haben, eine breite Klassifikation Sinn macht
und Ihnen die Auswahl erleichtern kann.
Neben der tatsächlichen Umgebungstemperatur beeinflussen besonders
zwei Faktoren unser Bedürfnis nach Isolierung: unser Aktivitäts-Level
und der Wind.
Wind
Wind haben wir schon an anderer Stelle unter "Windchill"
erwähnt. Alle Kleidungsstücke von PHD (abgesehen von der
ultraleichten Minimus-Kleidung und unserer Fleecekleidung) haben
hundertprozentig winddichte Außenhüllen, die diesen
Einflußfaktor beherrschbar machen. Trotzdem müssen Sie
immer noch sehr vorsichtig mit Körperbereichen sein, die direkt
dem Wind ausgesetzt sind - beispielsweise Gesicht und Hände.
Außerdem verstärken sehr hohe Windgeschwindigkeiten natürlich
immer die Auswirkungen von niedrigen Temperaturen bis zu dem Punkt,
wo es eher darum gehen sollte, Schutz zu suchen, als die Temperatureinstufung
von Kleidung zu zitieren.
Aktivitätslevel
Wir konzentrieren uns hier auf den anderen Haupteinflußfaktor,
den Aktivitätslevel. Wie jeder weiß, hat Aktivität
dramatische Auswirkungen auf unseren Stoffwechsel - sie kann die
Stoffwechselrate um mehr als 500 Prozent
erhöhen. Höhere Stoffwechselraten bedeuten mehr
Wärmeproduktion im Körper: Sie rennen, Ihnen wird heiß
- auch in der Arktis.
Bezogen auf Kleidung bedeutet das, daß die Daunenjacke, die
Sie komfortabel warm hält, wenn Sie bei -20 Grad dasitzen,
Sie grillen würde, wenn Sie anfangen würden, bergauf zu
gehen. Andersherum kann die leichte Isolierung, die warm genug war,
als Sie ihren Schlitten bei -30 Grad gezogen haben, Sie nicht vom
Zittern (und schlimmeren Folgen) abhalten, sobald Sie stehenbleiben.
Dieses Phänomen wird traditionell durch das Tragen von mehreren
Lagen Kleidung angegangen, so daß Kleidungsstücke
an- und ausgezogen werden können. In extrem kalten Bedingungen
kann An- und Ausziehen aber zu einer schwierigen Aufgabe werden.
Deshalb ist es oft praktischer, einen großen
Teil seiner Isolierung in einer Lage Kleidung zu haben.
Dies kann ein Kleidungsstück sein, das ständig getragen
wird - zum Beispiel ein Daunenanzug auf dem Everest- oder eine einfache
Daunenjacke, die bei Rasten an- und ausgezogen wird, oder ein Über-Kleidungsstück
wie die Delta Belay Jacke, das überall und jederzeit übergeworfen
und abgestreift werden kann. Es ist deshalb nützlich, einige
Anhaltspunkte dafür zu haben, was man von diesen Haupt-Isolations-Kleidungsstücken
erwarten kann.
Wie bei den Schlafsäcken haben wir auch hier versucht, unsere
Zahlen einfach zu halten. Weil wir Ihnen keine allumfassende Zahl
(oder auch mehrere Zahlen) angeben können, geben wir statt
dessen einen Indikator: eine einzelne Zahl, die wir die TNT -Typische
Nutzungs-Temperatur- nennen.
Die TNT-Zahl bedeutet, daß das Kleidungsstück
für Leute geeignet ist, die sich in Situationen begeben, in
denen mit Minimaltemperaturen in diesem Bereich zu rechnen ist.
Das Kleidungsstück soll für kurze statische Perioden bis
hin zu leichten und mittelschwere Aktivitäten benutzt werden.
Es ist verlockend, auch diese Aussage näher zu definieren:
- In Zeiträumen mit permanent hoher körperlicher Anstrengung
(z.B. wenn Sie einen Schlitten ziehen), wäre das Kleidungsstück
viel zu warm für seine genannte TNT.
- Es wäre in Ordnung, aber kühl, bei diesen Temperaturen
in der Kleidung zu biwakieren.
- Die Zahlen setzen voraus, daß Sie die Isolierung trocken
halten können.
- Hohe Lagen und extreme Wetterbedingungen führen neue Regeln
ein.
- Und so weiter, und so fort.
Wenn man aber all diese zusätzlichen Faktoren einbezieht,
und versucht, alles ganz exakt festzulegen, entsteht ein unendlicher
Prozeß, und man kann sich leicht in einer Spirale von Statistiken
verlieren, die für normale Reisen irrelevant und für ernsthafte
Expeditionen immer noch unzureichend sind. Für ein gewagtes
Unternehmen werden Sie jede Menge Entscheidungen treffen müssen,
und Ihre Isolationskleidung wird nur ein Bruchteil ihrer gesamten
Kleidung und Ausrüstung darstellen...
Wir sind uns darüber im Klaren, daß die TNT eine grobe
Faustregel ist. Sie beruht ebenso auf Erfahrung wie auf Statistiken,
aber aber als einzelner Indikator ist sie immer noch nur halbwegs
nützlich: es gibt einfach zu viele Einflußfaktoren, um
sie weiter zu verfeinern. Ihr Hauptzweck ist es, Ihnen ein breites
Bild zu verschaffen, und Ihnen den Vergleich zwischen unterschiedlichen
PHD-Kleidungsstücken möglich zu machen.
Schlußfolgerung
Wir haben nicht beabsichtigt, diese Information über Temperatur-Ratings
negativ klingen zu lassen. Natürlich glauben wir, daß
Sie Ihre Wahl am besten durch gute Information treffen, und daraufhin
die für Sie beste Ausrüstung kaufen. Dies ist nur ein
Versuch, Sie zu warnen, daß Temperaturangaben (nicht nur die
von PHD) nicht allzu wörtlich genommen werden sollen. Sie eigenen
sich - wie hoffentlich oben erläutert- als grobe Indikatoren,
und sind sicher nützlich, wenn es darum geht, eine Auswahl
einzuschränken.
Trotzdem - je kritischer die Entscheidung ist, desto mehr Wert
sollten Sie auf menschliche Erfahrung und Urteilsfähigkeit
legen, die die relevanten Faktoren ins Spiel bringen kann. Wie immer
ist Erfahrung - Ihre eigene und die von von anderen- der beste und
sinnvollste Ratgeber.
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