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Im Bann der Daune

Ein Portrait von Peter Hutchinson
von Andy Kirkpatrick

Es ist etwas merkwürdig, Peter Hutchinson, einem bärtigen, grauhaarigem Mann in seinen frühen Sechzigern, bei der ersten Begegnung die Hand zu schütteln. Es ist komisch, weil man sich dabei vorstellt, was diese Hände hergestellt haben, und wo diese Produkte schon überall waren.

Pete ist seit den letzten 30 Jahren einer der führenden Experten in der Herstellung von hochspezialisierter Kleidung für Expeditionen. Auf die Frage nach seinen ersten großen Aufträgen erzählt er, wie er 1970 die Ausrüstung für Don Whillans für die Südflanke des Anapurna hergestellt hat. Dann für die großen Expeditionen zur Südwestflanke des Everest 1972 und 75. Mir wird klar, daß die bahnbrechenden Besteigungen der siebziger Jahre durch Leute wie Boardman, Tasker, Scott, Haston und Bonington in gewisser Weise durch diese Hände möglich gemacht wurden.

 

 



Peter Hutchinson

 
 

"Peter war immer noch da, immer noch willig. 'Das wird dich warmhalten.'
Während ich den Schlafsack auf dem Holzfußboden der alten Fabrik ausprobiert habe, hat er mir erzählt, wie er früher seine Schlafsäcke getestet hat: Er hat im Gefrierraum einer örtlichen Fleischverpackungs- Fabrik übernachtet. Seiner Ansicht nach dürfte das Makalu nahekommen."

Ed Drummond, "A Grace Period"

 
 

 

 
 

Dann erzählt er davon, wie er Andy Cave und Brendan Murphy für ihre Changabang-Expedition ausgestattet hat. Ich versuche, gedanklich die Zeitspanne dazwischen zu schließen -Mear, Hall, Rouse und Carrington, aber bevor ich damit fertig bin, ist Peter schon bei "Mit Schirm, Charme und Melone."

"Sie wollten Daunenjacken für die Stars, damit ihnen zwischen den Takes nicht kalt wird. Ich hab sowas natürlich schon vorher gemacht - für Madonna oder Tom Cruise- und hab ich schon von dem Schlafsack erzählt, in den 17 Leute gepaßt haben?". Mein Kopf fängt an, sich zu drehen.

Peter ist besser bekannt als der Mann, der in den 70er Jahren Mountain Equipment gegründet hat - als Ergebnis der steigenden Nachfrage nach seiner maßgeschneiderten Daunenkleidung.

"Es war eine Tretmühle." sagt er heute. "Die Nachfrage hat mich gezwungen, aufzuspringen, und bevor ich realisieren konnte, was da passiert ist, war die ganze Sache außer Kontrolle geraten. Ich wollte eigentlich nichts mit einem Großunternehmen zu tun haben, aber das Unternehmen ist enorm gewachsen, und ich mußte mich abstrampeln, um auf der Stelle zu bleiben. Ich wollte nie, daß die Firma so groß wird - ich wollte einfach nur Ausrüstung herstellen- aber ganz plötzlich steht man da und ist Unternehmer... und alles, was einem wichtig war, ist plötzlich ganz weit weg.

Peter begann 1960 mit der Herstellung von Schlafsäcken und Daunenbetten. Damals betrieb er zusammen mit Pete Crew einen Laden mit Kletterausrüstung, "The Mountaineer". Der Laden -in einem ehemaligen Bordell in Manchester- lief nicht besonders gut - hauptsächlich, weil es in der Gegend nicht viele Bergsteiger gab, und die, die es gab, alle Bekannte waren.

"Die Rabatte haben den Laden in den Ruin getrieben. Wir kannten jeden, der reinkam - also machten wir nie den geringsten Profit." Mit viel Zeit zu seiner Verfügung begann Peter, im Hinterzimmer seines Ladens selbst Ausrüstung herzustellen. Er hatte ein besonderes Talent dafür, und als er und sein Partner sich schließlich entschlossen, den Laden zuzumachen, blieb Pete bei der Ausrüstungsherstellung. Er mietete einen Schuppen auf einem Bauernhof in der Nähe von Hyde.

"Es war nicht gerade glamourös: jeden Morgen hab ich Kuhställe ausgemistet, um mir Miete und Essen zu finanzieren. Dann ging es zurück in den Schuppen, um einen Schlafsack herzustellen." Bergsteiger gingen ein und aus - manchmal übernachteten sieben Leute in der winzigen Hütte. Peter erinnert sich an Martin Boysen, der mit seinen Marmeladenbroten, die er immer auf dem Fußboden liegen ließ, Eindruck hinterlassen hat: "Jedesmal, wenn ich aufgestanden bin, bin ich draufgetreten."

Eine von Peters größten Stärken war schon immer sein enges Verhältnis zu den besten Bergsteigern ihrer Zeit, und seine Bereitschaft, ihnen zuzuhören. In den 60er Jahren knüpfte er enge Bande mit Leuten wie Don Whillians und Doug Scott, und später mit anderen wie Brian Hall, Rab Carrington und den Burgess-Zwillingen. Heute erörtert er oft am Telefon technische Details mit Andy Parkin oder Andy Cave - und pflegt damit Beziehungen, die schon immer sichergestellt haben, daß sein Design am Puls der Zeit und praktisch ist.

"Ich wollte schon immer Ausrüstung herstellen, die wirklich ihren Sinn erfüllt, und hatte das Glück, Bergsteiger zu finden, die sich analytisch mit ihrer Ausrüstung auseinandergesetzt haben." Pete ist voll des Lobs für das Design von Don Whillians ("ein cleverer Kerl"). Zusammen haben sie den ersten Daunenanzug entwickelt, dann Windblocker für Expeditionen und andere Ausrüstungsgegenstände, die neue Standards für Hochgebirgsausrüstung setzen sollten.

Damals beschäftigte sich Pete nicht nur mit Daunen, was zu einer seiner Lieblingsgeschichten führt: Mit seinem Azubi, dem jungen Demy Moorhouse (-der später die Fertigkeiten, die ihm Pete vermittelt hat, zur Gründung von Clog und DMM verwenden sollte-), begann Pete mit der Herstellung der ersten Cromolly Pegs Europas. Seine Bemühungen erregten bald einiges Interesse - darunter auch beim legendären Amerikaner Yvon Chouinard, der dabei war, ein Unternehmen aufzubauen, das die erfolgreichste Bergsport-Firma der Welt werden sollte.

"Chouinard hörte von diesem Typen, der in England Cromolly Pegs herstellte, und flug rüber, weil er Angst hatte, daß ich ihm Konkurrenz machen wollte. Als er in dieser runtergekommenen Farm ankam, wo zwei dreckige Kerle ihre Heringe im Kaminfeuer erhitzten und im Herd trockneten, hat er vermutlich gemerkt, daß er sich da keine großen Sorgen machen mußte."

Einige Zeit zuvor hatte eine neue Firma in Kalifornien bei Pete angerufen und ihm angeboten, für sie zu arbeiten und Daunenprodukte herzustellen.

"Ich war wirklich extrem interessiert - der Nose und Salathe waren gerade bestiegen worden - es war das Goldene Zeitalter des Klettersports." Aber es sollte nicht sein. Finanzielle Probleme führten dazu, daß sie in der letzten Minute absagten, und Peter in seinem Schuppen blieb. "Ich frage mich immer noch, was passiert wäre, wenn ich damals gegangen wäre." grübelt Pete. Die Firma war The North Face.

Sein eigenes Unternehmen war aber im Aufwärtstrend, und Pete begann, Leute anzustellen, um alle Aufträge erfüllen zu können.

"Händler wollten die Ausrüstung kommerziell vertreiben, also habe ich eine richtige Firma gegründet - mehr Leute angestellt und Mountain Equipment gegründet. Wenn ich heute zurückschaue, war das ein fragwürdiger Schritt."

Die Firma erlebte ein Mordswachstum von 60 Prozent pro Jahr, aber während das Unternehmen wuchs, wurde es für Pete immer schwerer, in Kontakt zu bleiben. "Die Expeditionsausstattung und Maßanfertigung rückte langsam in immer weitere Ferne, und ich hatte irgendwann neunzig Angestellte, von denen ich oft nicht mal die Namen wußte."

Wie viele der bodenständigen Fabrikanten, wie Rab und Buffalo, spürte Pete, daß er das nicht wirklich wollte. Er hatte damit angefangen, weil sein Leben sich ums Klettern drehen sollte, aber jetzt entwickelte er sich mehr und mehr zu einem Geschäftsmann. "Statt Bergsteigern zuzuhören, hatte ich jetzt Designer, die mir von den Farben der nächsten Saison erzählt haben.", und er lacht, während er genau dieses Verhalten für die Erfolge einiger seiner Konkurrenten verantwortlich macht.

Trotzdem war es eine Zeit der Innovationen. Zusammen mit Berghaus war Pete einer der ersten, die Goretex verwendet haben - auch wenn viele das mittlerweile vergessen haben, war es ein gewaltiger Schritt vorwärts, was Komfort und Performance betrifft.

Dann, 1984, wagte Pete einen zweiten riskanten Schritt. Der Expansionsdruck zwang ihn dazu, externe Investoren einzubringen. "Es war, als ob ich von meinem Moped auf den Rücksitz einer Limousine umgestiegen wäre. Die Firma war jetzt größer, aber ich habe gemerkt, daß ich die Kontrolle verliere." Und so entfernte sich Mountain Equipment immer weiter von dem, worin es gut war, und zusammen mit seinen Geschäftsanteilen nahm auch Petes Interesse langsam ab. "Ich habe mich langsam zurückgezogen, ich hatte es satt, nur mit der Bank zu reden."

1991 kam Pete dann aus dem Urlaub zurück, um festzustellen, daß Mountain Equipment unter Konkursverwaltung stand. "Es kam mir fatalistisch vor - die Entscheidung hatte wenig mit mir zu tun." Die Firma wurde verkauft, und Pete hatte endlich seine Chance, die Flucht zu ergreifen und Klettern zu gehen. Er ergriff sie nicht.

"Ich konnte sehen, daß die Welt sich verändert hatte. Fast alles, was man jetzt in einem Geschäft für Kletterausrüstung kaufen kann, wird im Ausland hergestellt. Das ist nicht notwendigerweise schlecht, aber inflexibel. Ich konnte sehen, daß auf dem Markt wieder zunehmend Platz für Spezialhersteller war - daß ich wieder von Grund auf anfangen, und dabei die alten Fehler vermeiden konnte." So kam es, daß Pete in den letzten Jahren ein neues Unternehmen aufgebaut hat - in einer alten Mühle, nicht weit weg von seiner alten Hütte auf der Farm. Er beschäftigt dort die extrem erfahrenen Maschinennäher, die von den großen Outdoor-Unternehmen entlassen wurden, als deren Produktion nach Asien verlegt wurde.

"Ich kenne jetzt jeden, ich entwerfe die Produkte, helfe, die Muster auszuschneiden und beantworte Anfragen. Wenn jemand anruft und einen besonderen Schlafsack will, oder einen maßgeschneiderten Daunenanzug, bin ich genau dafür da. Manche Firmen machen keine Spezialanfertigungen, wenn man nicht gleich hundert Stück bestellt, aber in meine Spielregeln paßt das nicht - ich sitze wieder auf meinem Moped."

Die Firma fungierte zuerst unter dem Label "8000 Metres", und Pete behielt einige Verbindungen zu Mountain Equipment, aber vor kurzem ist er zu einem einfacheren Label übergegangen - PHD (Peter Hutchinson Designs), was für einen breiteren Ansatz, Flexibilität und Unabhängigkeit steht. "Ich will die leichteste und beste Ausrüstung machen - nicht nur für den Himalaja, sondern auch für Alpinisten und einfach jeden, der es wirklich braucht." Er erzählt mir, daß er jede Menge neuer Ideen im Ärmel hat. Man redet schon über seinen Minimus Schlafsack, der der für sein Gewicht (500 Gramm) wärmste Schlafsack sein wird, der je hergestellt wurde. Auch im Gespräch ist seine Kollektion mit SuperAlpine Schlafsäcken und Jacken, die innen wie außen wasserfest sind.

Die Zukunft sieht rosig aus, und ich finde es erfrischend, wie positiv Pete sich über seinen wohl schärfsten Konkurrenten äußert - Rab. "Ich kenne Rab seit Jahren, er macht großartige Ausrüstung, und er ist genauso wie ich vor 15 Jahren war - er ist interessiert an dem, was er macht, und das macht sich bemerkbar. Der Unterschied ist, daß er noch in der Tretmühle steckt und ich nicht mehr. Aber ich hab natürlich auch ein paar Geschichten über ihn im Ärmel, mit denen ich ihn erpressen könnte, falls er nicht mehr zu bändigen ist!" lacht Pete.

Zum Schluß frage ich ihn, wie er die alten Fehler vermeiden will, und er erzählt, daß er PHD einfach und klein halten will, und Nullwachstum anstrebt. Er plant keine Hochglanz-Werbeanzeigen oder Kataloge - Mundpropaganda scheint ihm genug zu sein. Deshalb wollte ich noch wissen, wie er reagieren würde, wenn er morgen einen Anruf bekommen würde, in dem er um 1000 Schlafsäcke gebeten wird.

"Ich würde etwas sagen, das für einen Geschäftsmann sehr schwer auszusprechen ist - ich habe dreißig Jahre harte Arbeit gebraucht, es zu lernen. Nein."



Copyright der englischen Originalversion Andy Kirkpatrick, 1998. Dieser Artikel erschien erstmalig 1998 in der Oktoberausgabe des "Climber Magazine".

 
     
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