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Dann erzählt er davon, wie er Andy Cave und Brendan Murphy
für ihre Changabang-Expedition ausgestattet hat. Ich versuche,
gedanklich die Zeitspanne dazwischen zu schließen -Mear, Hall,
Rouse und Carrington, aber bevor ich damit fertig bin, ist Peter
schon bei "Mit Schirm, Charme und Melone."
"Sie wollten Daunenjacken für die Stars, damit ihnen
zwischen den Takes nicht kalt wird. Ich hab sowas natürlich
schon vorher gemacht - für Madonna oder Tom Cruise- und hab
ich schon von dem Schlafsack erzählt, in den 17 Leute gepaßt
haben?". Mein Kopf fängt an, sich zu drehen.
Peter ist besser bekannt als der Mann, der in den 70er Jahren Mountain
Equipment gegründet hat - als Ergebnis der steigenden Nachfrage
nach seiner maßgeschneiderten Daunenkleidung.
"Es war eine Tretmühle." sagt er heute. "Die
Nachfrage hat mich gezwungen, aufzuspringen, und bevor ich realisieren
konnte, was da passiert ist, war die ganze Sache außer Kontrolle
geraten. Ich wollte eigentlich nichts mit einem Großunternehmen
zu tun haben, aber das Unternehmen ist enorm gewachsen, und ich
mußte mich abstrampeln, um auf der Stelle zu bleiben. Ich
wollte nie, daß die Firma so groß wird - ich wollte
einfach nur Ausrüstung herstellen- aber ganz plötzlich
steht man da und ist Unternehmer... und alles, was einem wichtig
war, ist plötzlich ganz weit weg.
Peter begann 1960 mit der Herstellung von Schlafsäcken und
Daunenbetten. Damals betrieb er zusammen mit Pete Crew einen Laden
mit Kletterausrüstung, "The Mountaineer". Der Laden
-in einem ehemaligen Bordell in Manchester- lief nicht besonders
gut - hauptsächlich, weil es in der Gegend nicht viele Bergsteiger
gab, und die, die es gab, alle Bekannte waren.
"Die Rabatte haben den Laden in den Ruin getrieben. Wir kannten
jeden, der reinkam - also machten wir nie den geringsten Profit."
Mit viel Zeit zu seiner Verfügung begann Peter, im Hinterzimmer
seines Ladens selbst Ausrüstung herzustellen. Er hatte ein
besonderes Talent dafür, und als er und sein Partner sich schließlich
entschlossen, den Laden zuzumachen, blieb Pete bei der Ausrüstungsherstellung.
Er mietete einen Schuppen auf einem Bauernhof in der Nähe von
Hyde.
"Es war nicht gerade glamourös: jeden Morgen hab ich
Kuhställe ausgemistet, um mir Miete und Essen zu finanzieren.
Dann ging es zurück in den Schuppen, um einen Schlafsack herzustellen."
Bergsteiger gingen ein und aus - manchmal übernachteten sieben
Leute in der winzigen Hütte. Peter erinnert sich an Martin
Boysen, der mit seinen Marmeladenbroten, die er immer auf dem Fußboden
liegen ließ, Eindruck hinterlassen hat: "Jedesmal, wenn
ich aufgestanden bin, bin ich draufgetreten."
Eine von Peters größten Stärken war schon immer
sein enges Verhältnis zu den besten Bergsteigern ihrer Zeit,
und seine Bereitschaft, ihnen zuzuhören. In den 60er Jahren
knüpfte er enge Bande mit Leuten wie Don Whillians und Doug
Scott, und später mit anderen wie Brian Hall, Rab Carrington
und den Burgess-Zwillingen. Heute erörtert er oft am Telefon
technische Details mit Andy Parkin oder Andy Cave - und pflegt damit
Beziehungen, die schon immer sichergestellt haben, daß sein
Design am Puls der Zeit und praktisch ist.
"Ich wollte schon immer Ausrüstung herstellen, die wirklich
ihren Sinn erfüllt, und hatte das Glück, Bergsteiger zu
finden, die sich analytisch mit ihrer Ausrüstung auseinandergesetzt
haben." Pete ist voll des Lobs für das Design von Don
Whillians ("ein cleverer Kerl"). Zusammen haben sie den
ersten Daunenanzug entwickelt, dann Windblocker für Expeditionen
und andere Ausrüstungsgegenstände, die neue Standards
für Hochgebirgsausrüstung setzen sollten.
Damals beschäftigte sich Pete nicht nur mit Daunen, was zu
einer seiner Lieblingsgeschichten führt: Mit seinem Azubi,
dem jungen Demy Moorhouse (-der später die Fertigkeiten, die
ihm Pete vermittelt hat, zur Gründung von Clog und DMM verwenden
sollte-), begann Pete mit der Herstellung der ersten Cromolly Pegs
Europas. Seine Bemühungen erregten bald einiges Interesse -
darunter auch beim legendären Amerikaner Yvon Chouinard, der
dabei war, ein Unternehmen aufzubauen, das die erfolgreichste Bergsport-Firma
der Welt werden sollte.
"Chouinard hörte von diesem Typen, der in England Cromolly
Pegs herstellte, und flug rüber, weil er Angst hatte, daß
ich ihm Konkurrenz machen wollte. Als er in dieser runtergekommenen
Farm ankam, wo zwei dreckige Kerle ihre Heringe im Kaminfeuer erhitzten
und im Herd trockneten, hat er vermutlich gemerkt, daß er
sich da keine großen Sorgen machen mußte."
Einige Zeit zuvor hatte eine neue Firma in Kalifornien bei Pete
angerufen und ihm angeboten, für sie zu arbeiten und Daunenprodukte
herzustellen.
"Ich war wirklich extrem interessiert - der Nose und Salathe
waren gerade bestiegen worden - es war das Goldene Zeitalter des
Klettersports." Aber es sollte nicht sein. Finanzielle Probleme
führten dazu, daß sie in der letzten Minute absagten,
und Peter in seinem Schuppen blieb. "Ich frage mich immer noch,
was passiert wäre, wenn ich damals gegangen wäre."
grübelt Pete. Die Firma war The North Face.
Sein eigenes Unternehmen war aber im Aufwärtstrend, und Pete
begann, Leute anzustellen, um alle Aufträge erfüllen zu
können.
"Händler wollten die Ausrüstung kommerziell vertreiben,
also habe ich eine richtige Firma gegründet - mehr Leute angestellt
und Mountain Equipment gegründet. Wenn ich heute zurückschaue,
war das ein fragwürdiger Schritt."
Die Firma erlebte ein Mordswachstum von 60 Prozent pro Jahr, aber
während das Unternehmen wuchs, wurde es für Pete immer
schwerer, in Kontakt zu bleiben. "Die Expeditionsausstattung
und Maßanfertigung rückte langsam in immer weitere Ferne,
und ich hatte irgendwann neunzig Angestellte, von denen ich oft
nicht mal die Namen wußte."
Wie viele der bodenständigen Fabrikanten, wie Rab und Buffalo,
spürte Pete, daß er das nicht wirklich wollte. Er hatte
damit angefangen, weil sein Leben sich ums Klettern drehen sollte,
aber jetzt entwickelte er sich mehr und mehr zu einem Geschäftsmann.
"Statt Bergsteigern zuzuhören, hatte ich jetzt Designer,
die mir von den Farben der nächsten Saison erzählt haben.",
und er lacht, während er genau dieses Verhalten für die
Erfolge einiger seiner Konkurrenten verantwortlich macht.
Trotzdem war es eine Zeit der Innovationen. Zusammen mit Berghaus
war Pete einer der ersten, die Goretex verwendet haben - auch wenn
viele das mittlerweile vergessen haben, war es ein gewaltiger Schritt
vorwärts, was Komfort und Performance betrifft.
Dann, 1984, wagte Pete einen zweiten riskanten Schritt. Der Expansionsdruck
zwang ihn dazu, externe Investoren einzubringen. "Es war, als
ob ich von meinem Moped auf den Rücksitz einer Limousine umgestiegen
wäre. Die Firma war jetzt größer, aber ich habe
gemerkt, daß ich die Kontrolle verliere." Und so entfernte
sich Mountain Equipment immer weiter von dem, worin es gut war,
und zusammen mit seinen Geschäftsanteilen nahm auch Petes Interesse
langsam ab. "Ich habe mich langsam zurückgezogen, ich
hatte es satt, nur mit der Bank zu reden."
1991 kam Pete dann aus dem Urlaub zurück, um festzustellen,
daß Mountain Equipment unter Konkursverwaltung stand. "Es
kam mir fatalistisch vor - die Entscheidung hatte wenig mit mir
zu tun." Die Firma wurde verkauft, und Pete hatte endlich seine
Chance, die Flucht zu ergreifen und Klettern zu gehen. Er ergriff
sie nicht.
"Ich konnte sehen, daß die Welt sich verändert
hatte. Fast alles, was man jetzt in einem Geschäft für
Kletterausrüstung kaufen kann, wird im Ausland hergestellt.
Das ist nicht notwendigerweise schlecht, aber inflexibel. Ich konnte
sehen, daß auf dem Markt wieder zunehmend Platz für Spezialhersteller
war - daß ich wieder von Grund auf anfangen, und dabei die
alten Fehler vermeiden konnte." So kam es, daß Pete in
den letzten Jahren ein neues Unternehmen aufgebaut hat - in einer
alten Mühle, nicht weit weg von seiner alten Hütte auf
der Farm. Er beschäftigt dort die extrem erfahrenen Maschinennäher,
die von den großen Outdoor-Unternehmen entlassen wurden, als
deren Produktion nach Asien verlegt wurde.
"Ich kenne jetzt jeden, ich entwerfe die Produkte, helfe,
die Muster auszuschneiden und beantworte Anfragen. Wenn jemand anruft
und einen besonderen Schlafsack will, oder einen maßgeschneiderten
Daunenanzug, bin ich genau dafür da. Manche Firmen machen keine
Spezialanfertigungen, wenn man nicht gleich hundert Stück bestellt,
aber in meine Spielregeln paßt das nicht - ich sitze wieder
auf meinem Moped."
Die Firma fungierte zuerst unter dem Label "8000 Metres",
und Pete behielt einige Verbindungen zu Mountain Equipment, aber
vor kurzem ist er zu einem einfacheren Label übergegangen -
PHD (Peter Hutchinson Designs), was für einen breiteren Ansatz,
Flexibilität und Unabhängigkeit steht. "Ich will
die leichteste und beste Ausrüstung machen - nicht nur für
den Himalaja, sondern auch für Alpinisten und einfach jeden,
der es wirklich braucht." Er erzählt mir, daß er
jede Menge neuer Ideen im Ärmel hat. Man redet schon über
seinen Minimus Schlafsack, der der für sein Gewicht (500 Gramm)
wärmste Schlafsack sein wird, der je hergestellt wurde. Auch
im Gespräch ist seine Kollektion mit SuperAlpine Schlafsäcken
und Jacken, die innen wie außen wasserfest sind.
Die Zukunft sieht rosig aus, und ich finde es erfrischend, wie
positiv Pete sich über seinen wohl schärfsten Konkurrenten
äußert - Rab. "Ich kenne Rab seit Jahren, er macht
großartige Ausrüstung, und er ist genauso wie ich vor
15 Jahren war - er ist interessiert an dem, was er macht, und das
macht sich bemerkbar. Der Unterschied ist, daß er noch in
der Tretmühle steckt und ich nicht mehr. Aber ich hab natürlich
auch ein paar Geschichten über ihn im Ärmel, mit denen
ich ihn erpressen könnte, falls er nicht mehr zu bändigen
ist!" lacht Pete.
Zum Schluß frage ich ihn, wie er die alten Fehler vermeiden
will, und er erzählt, daß er PHD einfach und klein halten
will, und Nullwachstum anstrebt. Er plant keine Hochglanz-Werbeanzeigen
oder Kataloge - Mundpropaganda scheint ihm genug zu sein. Deshalb
wollte ich noch wissen, wie er reagieren würde, wenn er morgen
einen Anruf bekommen würde, in dem er um 1000 Schlafsäcke
gebeten wird.
"Ich würde etwas sagen, das für einen Geschäftsmann
sehr schwer auszusprechen ist - ich habe dreißig Jahre harte
Arbeit gebraucht, es zu lernen. Nein."
Copyright der englischen Originalversion Andy Kirkpatrick, 1998.
Dieser Artikel erschien erstmalig 1998 in der Oktoberausgabe des
"Climber Magazine".
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